Der komplette Ratgeber 2026

Pressholz­paletten – der komplette Ratgeber

Herstellung, Vor- und Nachteile, alle Maße, Tragkraft, IPPC-Status und Einsatzgebiete der Inka-Palette – fundiert erklärt für Einkauf, Logistik, Export und Nachhaltigkeit.

Pressholzpalette im Euroformat 1200x800 mm aus gepressten Holzfasern
bis 1.250 kg
dynamische Tragkraft
~70 %
weniger Lagervolumen
IPPC-frei
weltweit exportfähig
100 %
recycelbar
Übersicht verschiedener Pressholzpaletten-Formate: Display, Viertel, Halb, Euro 1200x800, CP3 und Übersee

Was ist eine Pressholzpalette?

Aus Holzspänen, Druck und Hitze – in einem Guss gepresst

Pressholzpaletten – häufig als Inka-Paletten, Spanholz- oder Formpresspaletten bezeichnet – bestehen zu rund 90 % aus Holzspänen und Sägemehl sowie aus einem natürlichen Harz-Bindemittel (meist Harnstoff- oder Melaminharz). Sie sind ein typisches Nebenprodukt-basiertes Erzeugnis der Holzindustrie.

In einem Pressvorgang bei über 200 °C und mehreren hundert Tonnen Druck wird das Material in einem einzigen Arbeitsgang zu einer einteiligen Palette verformt. Es entstehen nestbare Paletten ohne Nägel, Schrauben oder Splitter – mit hoher Maßgenauigkeit und glatten Oberflächen.

Durch die Hitzebehandlung gelten sie automatisch als ISPM-15-/IPPC-konform und dürfen ohne zusätzliche Begasung oder Wärmebehandlung weltweit exportiert werden.

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Rohstoffe

Holzspäne, Sägemehl und Harzbindemittel werden aus Resten der Holzindustrie aufbereitet.

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Mischen

Späne und Bindemittel werden homogen vermengt und in die Pressform dosiert.

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Pressen

Unter > 200 °C und mehreren hundert Tonnen Druck wird die Palette in einem Stück geformt.

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Abkühlen & QS

Nach dem Abkühlen erfolgen Maß- und Gewichtskontrolle, dann Palettieren.

Vor- und Nachteile auf einen Blick

Die wichtigsten Eigenschaften gegenüber klassischen Holz- oder Kunststoffpaletten.

Vorteile

  • Bis zu 70 % Platzersparnis durch Nestbarkeit
  • Geringes Eigengewicht – spart Fracht- & CO₂-Kosten
  • IPPC-/ISPM-15-frei – exportfähig ohne Behandlung
  • Splitter-, nagel- und schraubenfrei – verletzungsarm
  • Aus Holzresten gefertigt – ressourcenschonend
  • Hohe Maßhaltigkeit, ideal für AKL & Fördertechnik
  • Vollständig recycelbar & biologisch abbaubar
  • Hygienisch – keine Fugen, kein Holzschutzmittel nötig
  • Einheitliche Qualität durch industrielle Fertigung

Nachteile

  • Geringere Tragkraft als Europaletten aus Vollholz
  • Nur eingeschränkt für Hochregale mit Querauflage
  • Empfindlicher gegenüber Dauernässe & stehendem Wasser
  • Kein Pfand- oder Tauschsystem wie EUR-Palette
  • Bei kleinen Mengen vergleichsweise höhere Stückkosten
  • Optisch weniger hochwertig für Verkaufsdisplays
  • Enthält Bindemittel – nicht 100 % naturbelassen

Pressholz- vs. Europalette vs. Kunststoff

Welcher Palettentyp passt zu welchem Einsatzzweck? Der direkte Vergleich.

KriteriumPressholzEUR-PaletteKunststoff
Gewicht (1200×800)ca. 5–9 kg20–25 kg7–25 kg
Tragkraft (dynamisch)bis 1.250 kg1.500 kgbis 1.500 kg
Tragkraft (statisch)bis 4.000 kgbis 4.000 kgbis 5.000 kg
Stapelbar (nestbar)Ja (~70 % Ersparnis)NeinTeilweise
IPPC/ISPM-15nicht nötigerforderlichnicht nötig
Lebensdauermittelhochsehr hoch
Feuchteresistenzmittelmittelsehr hoch
Recycling100 %100 %begrenzt
CO₂-Fußabdruckniedrigmittelhoch
Typischer EinsatzEinweg & ExportTausch & MehrwegPharma & Food

Standardmaße, Gewichte & Tragkraft

Pressholzpaletten gibt es in zahlreichen genormten Größen – von der Displaypalette bis zur schweren Übersee-Ausführung. Die Gewichte sind Richtwerte und können je nach Hersteller und Ausführung leicht variieren.

1/4 Format (POS)
Typ F44 – Viertelpalette
400 × 600 mm
Tragkraftdyn. bis 250 kg
Eigengewichtca. 3 kg
1/3 Format (POS)
Typ F36 – Drittelpalette
400 × 800 mm
Tragkraftdyn. bis 500 kg (s: 1.000 kg)
Eigengewichtca. 3,5 – 4,5 kg
1/2 Format (POS)
Typ F64 – Halbpalette
600 × 800 mm
Tragkraftdyn. bis 500 kg (s: 1.000 kg)
Eigengewichtca. 4,5 – 5,5 kg
Euro Format
Typ F86 – Europalette leicht
800 × 1200 mm
Tragkraftdyn. bis 350 kg
Eigengewichtca. 8 kg
Euro Format
Typ F8-5 – Transportpalette
800 × 1200 mm
Tragkraftdyn. bis 600 kg
Eigengewichtca. 9 kg
Euro Format
Typ F8 LF – Schwerlast
800 × 1200 mm
Tragkraftdyn. bis 900 kg (s: 1.250 kg)
Eigengewichtca. 10,5 – 11,5 kg
Industrie / CP1
Typ F10-2 – Industriepalette
1000 × 1200 mm
Tragkraftdyn. bis 900 kg (s: 1.250 kg)
Eigengewichtca. 14,5 – 18 kg
Container / CP5
Typ F76 – Container
760 × 1140 mm
Tragkraftdyn. bis 900 kg (s: 1.250 kg)
Eigengewichtca. 10 – 11 kg
Container / CP3
Typ F11 – Container
1140 × 1140 mm
Tragkraftdyn. bis 900 kg (s: 1.250 kg)
Eigengewichtca. 15 – 18 kg

Die Buchstaben-/Zahlentypen (z. B. F44, F86, F8 LF) folgen der INKA-Typisierung, die sich als De-facto-Standard für Pressholzpaletten etabliert hat. Varianten mit dem Zusatz „(s)" sind verstärkte Ausführungen mit höherer Tragkraft. Statische Belastbarkeit entspricht ca. dem 3-fachen der dynamischen Werte.

Hinweis: Tragkraft und Gewicht sind typische Richtwerte. Verbindliche Werte liefert immer das Datenblatt des jeweiligen Herstellers.

Export & Normen

IPPC / ISPM 15 – warum Pressholzpaletten weltweit versendet werden dürfen

Der internationale Pflanzenschutzstandard ISPM 15 (International Standard for Phytosanitary Measures No. 15) der FAO/IPPC(International Plant Protection Convention) regelt seit 2002 weltweit, wie Verpackungsholz behandelt sein muss, um die Einschleppung von Schädlingen (Asiatischer Laubholzbockkäfer, Kiefernfadenwurm u. a.) über Handelswarenströme zu verhindern.

Betroffen ist nahezu jedes massive Vollholz-Verpackungsmaterialab 6 mm Dicke: Paletten, Kisten, Verschläge, Trommeln, Stauholz. Vor dem Export muss es entweder hitzebehandelt (HT – Kerntemperatur 56 °C über mindestens 30 Min), dielektrisch erhitzt (DH) oder mit Sulfuryldifluorid begast (SF, früher MB/Methylbromid) werden und einen IPPC-Stempel tragen.

Pressholzpaletten dagegen werden in einem einzigen Pressvorgang bei Temperaturen weit über 200 °C und mehreren hundert bar Druckaus Holzspänen und Bindemittel geformt. Sie gelten damit nach ISPM 15 Annex 1 als „processed wood material"(zusammen mit Sperrholz, OSB, MDF und Spanplatten) und sind ausdrücklich von der Behandlungs- und Stempelpflicht ausgenommen – ganz ohne IPPC-Marke.

In der Praxis bedeutet das für Versender: kein Anfahren einer HT-Kammer, keine Begasung, keine Wartezeiten, keine Zollrückweisungen und kein Risiko, dass eine fehlende oder unleserliche IPPC-Marke den Container an US-, kanadischen, chinesischen oder australischen Häfen aufhält. Pressholzpaletten dürfen in alle 180+ IPPC-Mitgliedsstaaten ohne Vorbehandlung eingeführt werden.

> 200 °C im Prozess

Übertrifft die geforderten 56 °C / 30 Min bei Weitem – ISPM-15 ist automatisch erfüllt.

Weltweiter Export

Zugelassen in allen IPPC-Mitgliedsländern ohne Behandlung oder Stempel.

Keine HT/MB-Behandlung

Spart Zeit, Kosten und vermeidet Methylbromid-Rückstände.

Kein IPPC-Stempel

Keine Verwechslungsgefahr mit gefälschten oder fehlenden Marken.

Aufbau eines IPPC-Stempels (zum Vergleich)

Ein regulärer IPPC-Stempel auf Vollholzpaletten enthält das Ähren-Symbol, den ISO-Ländercode (z. B. DE), eine Registriernummer des Betriebs und den Behandlungscode:

  • HT – Heat Treatment (Hitze, 56 °C / 30 Min Kern)
  • DH – Dielectric Heating (Mikrowelle/HF)
  • KD – Kiln Drying (oft zusammen mit HT)
  • SF – Sulfuryl­difluorid-Begasung
  • MB – Methylbromid (in der EU verboten, weltweit auslaufend)

Pressholzpaletten benötigen keinen dieser Codes – die Befreiung greift produktbezogen.

Häufige Missverständnisse

  • „Ohne Stempel = nicht exportfähig" – falsch. Die Befreiung nach ISPM 15 Annex 1 ist eine Materialfreigabe, kein Formfehler. Ein Stempel ist weder nötig noch vorgesehen.
  • „Begasung ist sicherer" – Methylbromid (MB) ist ein ozonschädigender Stoff und in der EU nicht mehr zulässig. Pressholz vermeidet diese Problematik komplett.
  • „Holzanteile = ISPM-pflichtig" – nein. Entscheidend ist der Verarbeitungsgrad: durch Zerkleinerung, Hitze, Druck und Bindemittel ist das Material nicht mehr Wirt für Quarantäneschädlinge.

Rechtliche Grundlage: ISPM 15 (FAO/IPPC, Stand der zuletzt revidierten Fassung) sowie EU-Durchführungs­verordnung (EU) 2019/2072 zur Pflanzengesundheit. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung; verbindlich sind die Vorgaben der jeweiligen nationalen Pflanzenschutz­behörde (NPPO) des Empfängerlandes.

Typische Einsatzgebiete

Vom weltweiten Export bis zum automatisierten Hochregal – Pressholzpaletten sind dort im Einsatz, wo Gewicht, Volumen und Exportfähigkeitzählen. Besonders verbreitet sind sie in Einweg-Logistikketten, bei Übersee-Sendungen sowie in der Pharma- und Lebensmittelindustrie.

Hoch gestapelte, nestbare Pressholzpaletten im Lager – platzsparend ineinander gestapelt

Export & Übersee

Ohne IPPC-Behandlung weltweit verschiffen – ideal für See- und Luftfracht.

Pharma & Food

Splitterfrei, hygienisch und maßhaltig – perfekt für sensible Branchen.

Automatisierte Lager

Hohe Maßtoleranzen ermöglichen den Einsatz in AKL und Förderanlagen.

E-Commerce

Leicht, raumsparend im Versand und vollständig recycelbar.

Nachhaltige Verpackung

Aus Holzresten – mit kleinem CO₂-Fußabdruck.

Einweg-Logistik

Effiziente Lösung bei nicht-rückführbaren Sendungen.

Nachhaltigkeit

Wie umweltfreundlich sind Pressholzpaletten wirklich?

Pressholzpaletten entstehen aus Holzresten und Sägespänen, die in der Holzverarbeitung als Nebenprodukt anfallen. Dadurch wird vorhandenes Material sinnvoll weiterverwendet, statt es energetisch zu verbrennen oder zu entsorgen.

Geringerer Materialeinsatz

Eine Pressholzpalette wiegt rund 60–75 % weniger als eine Europalette aus Vollholz – das spart Rohstoffe und Energie.

Kleiner CO₂-Fußabdruck

Weniger Gewicht bedeutet weniger Treibstoff im Transport. Hinzu kommt der nachwachsende Rohstoff Holz.

Recycelbar & biologisch abbaubar

Am Ende des Lebenszyklus können Pressholzpaletten stofflich oder energetisch verwertet werden.

Worauf beim Kauf von Pressholzpaletten achten?

Pressholzpaletten unterscheiden sich je nach Hersteller in Tragkraft, Gewicht, Oberflächenqualität und Bindemittel. Diese Kriterien helfen bei der Auswahl.

Format & Tragkraft

Welches Endgewicht muss die Palette tragen – dynamisch (im Stapler) und statisch (im Lager)? Im Zweifel eine Klasse stärker wählen.

Lagerart

Bodenlager, Blocklager oder automatisiertes Hochregal? Für Querauflagen sind verstärkte Industrieversionen Pflicht.

Klima & Feuchtigkeit

Bei feuchten Umgebungen (Tiefkühl, Außenlager) eher eine wasserabweisend behandelte Variante wählen.

Hygiene-Anforderungen

Für Pharma und Food eignen sich splitterfreie Pressholzpaletten besonders – sie sind staubarm und ohne Schädlingsbefall.

Stückzahl & Lieferzeit

Standardformate sind meist ab Lager verfügbar. Sonderformate erfordern Vorlauf – frühzeitig planen.

Nachhaltigkeits-Nachweise

Auf FSC- oder PEFC-zertifizierte Holzbestandteile sowie formaldehydarme Bindemittel (E1) achten.

Fragen oder eine Anfrage?

Wir helfen Ihnen gerne bei der Auswahl des richtigen Formats oder beantworten offene Fragen zu Pressholzpaletten.

info@pressholzpalette.de

Häufige Fragen

Was ist eine Pressholzpalette?+

Eine Pressholzpalette (Inka-Palette) wird aus Holzspänen, Sägemehl und Bindemittel unter hohem Druck und Hitze in einem Stück gepresst. Sie ist leicht, einteilig, splitterfrei, nestbar und IPPC-frei.

Sind Pressholzpaletten für den Export geeignet?+

Ja. Durch die Hitzebehandlung über 200 °C während der Produktion gelten sie als verarbeitetes Holz und sind vom ISPM-15-Standard befreit. Eine zusätzliche IPPC-Behandlung ist nicht nötig.

Wie viel trägt eine Pressholzpalette?+

Standardmäßig 500–1.250 kg dynamisch. Schwerausführungen erreichen bis 1.250 kg, statisch sogar bis 4.000 kg.

Wie viel wiegt eine Pressholzpalette?+

Eine Displaypalette (600×400 mm) wiegt nur ca. 1,2 kg, eine Industriepalette im Euroformat 1200×800 mm liegt je nach Ausführung bei rund 5–9 kg. Damit sind sie ca. 60–75 % leichter als Europaletten aus Vollholz.

Was ist der Unterschied zwischen Inka-Palette und Pressholzpalette?+

Beides bezeichnet dieselbe Produktkategorie. 'Inka' ist ein bekannter Markenname, der häufig synonym für Pressholz- bzw. Formpresspaletten verwendet wird.

Lassen sich Pressholzpaletten stapeln?+

Ja – und zwar ineinander (nestbar). Dadurch sparen sie bis zu 70 % Lager- und Transportvolumen gegenüber Europaletten.

Wie lange ist die Lebensdauer einer Pressholzpalette?+

Pressholzpaletten sind primär als Einweg- oder Mehrweg-light-Lösung konzipiert. Bei pfleglichem Umgang und trockener Lagerung sind mehrere Umläufe möglich.

Sind Pressholzpaletten nachhaltig?+

Sie bestehen aus Holzresten und Sägemehl, sind vollständig recycelbar und biologisch abbaubar. Der CO₂-Fußabdruck ist gegenüber Vollholz- und Kunststoffpaletten meist deutlich geringer.

Sind Pressholzpaletten wasserfest?+

Nein, sie sind feuchteresistent, aber nicht dauerhaft wasserfest. Bei Tiefkühl- oder Außenlagerung empfiehlt sich eine zusätzlich imprägnierte Variante.